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Illegale Einwanderung und illegaler Aufenthalt
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Unter illegaler Einwanderung (auch illegale Migration, irregulĂ€re Migration oder undokumentierte Zuwanderung) wird die Einwanderung unter Verstoß gegen die Einwanderungsgesetze des Ziellandes verstanden. Illegaler Aufenthalt bezeichnet den Aufenthalt in einem Staatsgebiet ohne legalen Aufenthaltsstatus. Die Einreise und der Aufenthalt ohne gĂŒltige Ausweisdokumente oder Aufenthaltstitel werden in den meisten Staaten mit Geld- oder Haftstrafen belegt und können zur Ausweisung fĂŒhren. Administrative und politische Maßnahmen gegen illegale Migration reichen von VerschĂ€rfungen der Grenzkontrollen bis hin zu multilateralen BemĂŒhungen, SchleusungskriminalitĂ€t zu ahnden und/oder die Situation einzelner HerkunftslĂ€nder und -regionen zu verbessern. FlĂŒchtlinge ohne gĂŒltiges Visum dĂŒrfen in LĂ€ndern, die der Genfer FlĂŒchtlingskonvention (GFK) beigetreten sind, bei illegaler Einwanderung nicht bestraft werden, sofern sie sich umgehend an die Behörden wenden und der Fluchtgrund im anschließenden Asylverfahren anerkannt wird. WĂ€hrend des Anerkennungsverfahrens gilt eine befristete Aufenthaltsgestattung.

Contents

‱ Zwangsarbeit
‱ Statistik
‱ Rechtslage
‱ Politik
‱ Schweiz
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Todeszahlen

Nach Pressemitteilungen starben seit 1988 entlang der EU-Außengrenze 15.566 Immigranten, davon sind 6.513 Leichen immer noch im Mittelmeer verschollen.cite-ref-1[1]

Im Mittelmeer sowie im Atlantischen Ozean auf dem Weg nach Spanien starben 10.979 Personen. 4.205 sind im Kanal von Sizilien ertrunken, zwischen Libyen, Tunesien, Malta und Italien, davon 3.076 verschollen; 140 weitere Tote zwischen Algerien und Sardinien, Italien. Weitere 4.534 Tote zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien, Senegal und Spanien, beim Überqueren der Meeresenge von Gibraltar oder in der NĂ€he der Kanarischen Inseln, davon sind 2.322 verschollen. 1.369 Tote in der ÄgĂ€is zwischen der TĂŒrkei und Griechenland, davon sind 824 verschollen. 603 Tote in der Adria, zwischen Albanien, Montenegro und Italien, davon sind 220 verschollen. Im Indischen Ozean gab es 624 Tote zwischen den Komoren und der französischen Insel Mayotte. Aber das Meer wird nicht nur mit normalen Schiffen ĂŒberquert, sondern ebenfalls versteckt in Containern. Dabei sind 153 Menschen erstickt oder ertrunken.

Die Sahara ist fĂŒr Migranten aus Subsahara-Afrika eine gefĂ€hrliche Passage zum Mittelmeer. Migranten durchqueren sie mit Lastwagen und anderen Fahrzeugen zwischen dem Sudan, Tschad, Niger und Mali auf dem Weg nach Libyen und Algerien. Hier sind seit 1996 mindestens 1.703 Personen gestorben. Die Statistiken beinhalten ebenfalls die Opfer der Massenabschiebungen, die in Tripoli, Algerien und Rabat von den Behörden vorgenommen werden, wobei die Migranten einfach in wĂŒstenĂ€hnlichen Grenzgebieten ausgesetzt werden.

Mindestens 560 Personen starben wÀhrend gewaltsamer Massenausschreitungen gegen Durchwanderer im September 2000 in Zawiyah, im Nord-Westen von Libyen.cite-ref-2[2]

In Lastwagen mitfahrend sind bereits 360 Personen tot aufgefunden worden. 244 Migranten sind beim Überqueren von GrenzflĂŒssen ertrunken, die Mehrheit davon an der Oder-Neiße-Grenze zwischen Polen und Deutschland, in der Evros zwischen der TĂŒrkei und Griechenland, in der Save zwischen Kroatien und Bosnien und in der Morava zwischen der Slowakei und Tschechien. 112 Personen sind unterwegs in den eisigen Grenzgebieten in den Bergen erfroren, dies vor allem in der TĂŒrkei und in Griechenland. An der griechischen Grenze mit der TĂŒrkei gibt es entlang des Evros Flusses immer noch Minenfelder. Hier sind beim Versuch, nach Griechenland zu gelangen, mindestens 92 Personen gestorben.

265 Migranten sind von Grenzpolizisten erschossen worden, davon 37 in Ceuta und Melilla, spanischen Enklaven in Marokko, und 28 im Van-Distrikt in der OsttĂŒrkei nahe der iranischen Grenze. Einige Menschen sind auch von der französischen, deutschen, spanischen und Schweizer Polizei erschossen worden. 41 MĂ€nner sind tot aufgefunden worden, versteckt in den Fahrgestellen von Flugzeugen. 29 Menschen sind im Dschungel von Calais gestorben, oder unter ZĂŒgen im Ärmelkanaltunnel beim Versuch, nach England zu reisen. Wiederum 12 sind unter anderen ZĂŒgen zu anderen Grenzen umgekommen und drei beim Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen.

Probleme fĂŒr die staatliche Kontrolle

Illegale Migration wird trotz technisch verbesserter Kontrollmöglichkeiten fĂŒr die Staaten immer schwerer kontrollierbar. Die meisten Staaten fördern und erlauben grenzĂŒbergreifende Wanderungsbewegungen z. B. von GeschĂ€ftsleuten, Besuchern und Touristen.

Seit den EU-Osterweiterungen verliert der unerlaubte Übertritt ĂŒber die GrĂŒne Grenze zunehmend an AttraktivitĂ€t wegen der immer höheren Kosten und des immer höheren Risikos, von der Grenzpolizei mithilfe von hoch technisierten GerĂ€ten aufgespĂŒrt, anschließend verhaftet und zurĂŒckgeschoben zu werden. Vergleichbar ist die Situation an der Blauen Grenze, also dem Seeweg, wie die unvermindert hohe Zahl der TodesfĂ€lle im Mittelmeer belegt.

Siehe auch

:

Grenzregime

KriminalitÀt

Der Zusammenhang von illegaler Migration und KriminalitÀt besteht weniger darin, dass einzelne Einwanderer kriminelle Delikte begehen. Vielmehr entsteht kriminelles Verhalten vorwiegend aus der Verwicklung der Migranten mit dem professionellen Schleusertum. So wird diskutiert, potenziellen Zeugen und GestÀndigen ein begrenztes Aufenthaltsrecht zuzugestehen, wenn sie zur AufklÀrung von Verbrechen beitragen können.

AnlĂ€sslich einer Diskussion des EuropĂ€ischen Migrationsnetzwerks im Mai 2017 zum integrierten RĂŒckkehrmanagement erklĂ€rte Stefan DĂŒnnwald, Migrationsforscher und Mitarbeiter des Bayerischen FlĂŒchtlingsrats, dass ein Leben in der IllegalitĂ€t „mit einer höheren VulnerabilitĂ€t, Prostitution, KriminalitĂ€t und möglicherweise auch Radikalisierung“ einhergehe.cite-ref-3[3]

HĂ€ufig berichten die Medien von „auslĂ€ndischen Banden“, wenn Einwanderer betroffen sind, hingegen bei FĂ€llen mit Einheimischen von „EinzeltĂ€tern“.cite-ref-4[4] Die wissenschaftliche Untersuchung von Jörg Alt ergab dagegen 2003 (siehe Literaturverzeichnis), dass sich die Betroffenen eher durch einen unauffĂ€lligen Lebenswandel auszeichnen und sich in der Regel von kriminellen AktivitĂ€ten fernhalten. Die Gefahr, ins kriminelle Milieu abzugleiten, sei demnach besonders dann gegeben, wenn ein Migrant ohne Aufenthaltsrecht den Arbeitsplatz verliert.

Schleusung von Migranten

Um in die westlichen Wohlfahrtsstaaten zu gelangen, sind die Einreisenden auf sogenannte Schleuser angewiesen, die gegen Bezahlung die Einreise ins Zielland in die Wege leiten.

Einschleusungen wandelten sich laut Wagner im Laufe der Jahre zu eintrĂ€glichen Geldquellen und die Schleuser fordern je nach Zielland bis zu 30.000 US-Dollar von den Einreisenden. Wegen der hohen Gewinnspannen sind auch organisierte Kriminelle in diesem Bereich aktiv, teils ehemalige DrogenhĂ€ndler und Waffenschmuggler. Die damit einhergehende Professionalisierung in Sachen Organisation und Vorgehensweise konterkariert die BemĂŒhungen der die illegale Einwanderung bekĂ€mpfenden Staaten. Laut Hong fĂŒhren die kriminellen Netzwerkstrukturen zu einer Eigendynamik des Schleusungsmechanismus. Der Migrationsforscher Jonas Widgren schĂ€tzte im Oktober 1994 den Jahresumsatz im Bereich der Schleusung auf 7 Milliarden US-Dollar.cite-ref-5[5] 2018 berichteten Medien, dass Schleuser ihre Preise pro Schleusung aus LĂ€ndern wie El Salvador, Guatemala oder Honduras ĂŒber Mexiko in die USA in den vorangehenden zehn Jahren verdoppelt hĂ€tten.cite-ref-6[6]

In den USA kam am 20. Januar 2017 Donald Trump an die Regierung. Er hatte die PrĂ€sidentschaftswahl 2016 unter anderem mit der AnkĂŒndigung gewonnen, die Grenze zu Mexiko undurchlĂ€ssiger zu machen. Trump ernannte John F. Kelly zum Minister fĂŒr Innere Sicherheit der USA im Kabinett Trump I. Kelly veranlasste im Februar 2017 die Inhaftierung von Eltern, die Geld dafĂŒr gezahlt hatten, dass ihre Kinder ĂŒber die Grenze geschmuggelt werden.cite-ref-7[7]

Deutschland setzte sich fĂŒr die Zeit seiner EU-RatsprĂ€sidentschaft das Ziel, die partnerschaftliche Zusammenarbeit der EU mit den nordafrikanischen Staaten im Kampf gegen SchleuserkriminalitĂ€t zu vertiefen. So sollte die Zusammenarbeit mit LĂ€ndern auf beiden Seiten des Mittelmeeres weiter ausgebaut werden, u. a. in den Bereichen Seenotrettung, SchleuserbekĂ€mpfung und BekĂ€mpfung von Fluchtursachen.cite-ref-8[8]

Zwangsarbeit

Zwangsarbeit im Sinne des Völkerrechts ist laut Internationaler Arbeitsorganisation (IAO) „jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und fĂŒr die sie sich nicht freiwillig zur VerfĂŒgung gestellt hat“ (Artikel 2(1)). Zu unterscheiden ist zwischen staatlicher, kommerzieller und sexueller Ausbeutung der Opfer. Sklaverei wiederum ist eine Form der Zwangsarbeit, geht jedoch einher mit der absoluten Kontrolle einer Person ĂŒber einen Menschen oder ĂŒber eine Menschengruppe von Seiten einer anderen im Sinne eines Eigentumsrechtes. Traditionell wurzelt Zwangsarbeit in Diskriminierung, Kolonialisierung und Schuldknechtschaft. Moderne Zwangsarbeit zeichnet sich laut IAO aus durch „EinschrĂ€nkungen der Bewegungsfreiheit, Entzug der Ausweise und Drohungen, alle Migranten, die sich ĂŒber unzulĂ€ngliche Lebens- und Arbeitsbedingungen beschweren, bei den Einwanderungsbehörden zu denunzieren.“ Weltweit lebten 2004 schĂ€tzungsweise 12,3 Millionen Opfer von Zwangsarbeit. Etwa 10 Millionen werden von Privatpersonen ausgebeutet (2,5 Millionen als Folge des Menschenhandels), der Rest wird von MilitĂ€rs oder Staaten gewaltsam zur Arbeit gezwungen. 1,4 Millionen Menschen werden sexuell ausgebeutet. In Afrika, Asien, pazifischem Raum und SĂŒdamerika finden wir im Durchschnitt 3,25 Opfer auf tausend Einwohner und in den Industriestaaten im Schnitt 0,3 Personen je 1000 Bewohner. Jede fĂŒnfte Zwangsarbeit im Pazifik und in Asien ist staatlicher Natur.cite-ref-9[9] Die EuropĂ€ische Union hat sich seit 2000 dem Kampf gegen Ausbeutung und Menschenhandel verschrieben.

Sind Migranten finanziell nicht dazu in der Lage, die SchleusungsgebĂŒhr zu entrichten, verschulden sie sich bei den Schleusern und werden damit von ihnen abhĂ€ngig. Da der aufgenommene Kredit abzuarbeiten ist, bleibt den Migranten der erste Arbeitsmarkt verschlossen. So sind FĂ€lle bekannt, in denen Schleuserbanden ganze Netze von Scheinfirmen gegrĂŒndet haben, um die Migranten an Subunternehmen im Bau-, Hotel- und GaststĂ€ttengewerbe weiterzuvermitteln.cite-ref-10[10]

Menschenhandel

Die gewinntrĂ€chtigste Sparte bei der Verbindung zwischen Schleusung und organisiertem Verbrechen ist der Menschenhandel (§ 232StGB), insbesondere von Frauen zur sexuellen Ausbeutung durch Zwangsprostitution. Das Einschmuggeln der Frauen erfolgt meist gegen deren Willen. So schreibt Siegler „Ein FĂŒnftel der 50.000 aus Osteuropa stammenden Prostituierten wird laut dem deutschen Bundeskriminalamt gegen ihren Willen zur Prostitution gezwungen“.

Neben der drohenden Abschiebung wegen ihres illegalen Aufenthaltsstatus drohen Vergeltungsaktionen der Schleuser, denen sie zumeist in den HeimatlÀndern schutzlos ausgeliefert sind.cite-ref-11[11]

Mit der EU-Opferschutz-Richtlinie vom 29. April 2004cite-ref-12[12] wurde fĂŒr die Opfer eines Menschenhandels die EinfĂŒhrung eines besonderen aufenthalts- und asylrechtlichen Aufenthaltstitels vereinbart, der eine Kooperation mit den zustĂ€ndigen Polizei-, Strafverfolgungs- und Justizbehörden zur BekĂ€mpfung des Menschenhandels voraussetzt. In Deutschland gibt es seit 2008 den Aufenthalt aus humanitĂ€ren GrĂŒnden zwecks Zeugenaussage in einem Strafverfahren (§ 25 Abs. 4a AufenthG). Bei der Entscheidung wirken Staatsanwaltschaft bzw. Strafgericht und AuslĂ€nderbehörde zusammen (§ 72 Abs. 6 AufenthG).

Wissenschaftliche Diskussion

UnrechtmĂ€ĂŸig eingewanderte Migranten sind innerhalb der EU nach Meinung von Klaus JĂŒrgen Bade ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Der Migrationsexperte ist der Meinung, dass ohne illegale BeschĂ€ftigung europaweit ganze Wirtschaftsbranchen zusammenbrĂ€chen. Bade fĂŒhrt an, dass illegal Eingereiste ein Drittel der französischen Autobahnen gebaut haben und die Autoproduktion zu einem Drittel in Schwarzarbeit bestritten wird. Im SĂŒden Italiens erwirtschaften sie 30 Prozent des Bruttosozialprodukts und erhalten damit ganze Wirtschaftsstrukturen am Leben. In Großbritannien wĂŒrden sich laut Bade Modebranche und Bauindustrie auflösen. Auch der deutsche Regierungsumzug von Bonn nach Berlin hĂ€tte sich deutlich verzögert.cite-ref-13[13]

Der Ethnologe Felix Hoffmann vertritt die Meinung, dass illegale BeschĂ€ftigung und damit entsprechend niedrige Löhne, das Aufstreben der Agrarindustrie von AlmerĂ­a seit den 1990er, die bis heute einen substanziellen Teil der europĂ€ischen GemĂŒseproduktion liefert, ĂŒberhaupt erst international konkurrenzfĂ€hig sein lĂ€sst. Hier hat die spanische Migrationsgesetzgebung in Übereinstimmung mit der EU-Gesetzgebung gesetzliche Normierungen geschaffen, die jahrelange illegale BeschĂ€ftigung indirekt voraussetzen, wenn es darum geht, sich die LegalitĂ€t wortwörtlich verdienen zu mĂŒssen.cite-ref-14[14]

Der Ethnologe Gilles Reckinger sieht im Preisdiktat internationaler Handelskonzerne beim Einkauf am Beispiel von Tomaten oder Orangen eine der Ursachen der Ausbeutung irregulĂ€r AufhĂ€ltiger. Um den Ankaufspreis zu erreichen und den Bauern Einkommen zu ermöglichen, mĂŒsse die Ernte durch unterbezahlte Erntehelfer organisiert werden (2018: Bei einem Hektarertrag von 50 Tonnen im Freilandcite-ref-15[15] erhĂ€lt der Bauer 10 Cent pro Kilo Tomaten, davon zahlt er einem Erntehelfer 4 Euro fĂŒr 300 kg Tomaten, die dieser in 90 Minuten oder in lĂ€ngerer Zeit erntetcite-ref-16[16]). Der Gewinn der Handelskonzerne und der Wohlstand der Konsumenten basiere auf der Ausbeutung dieser modernen Arbeitssklaven.cite-ref-bittere-orangen-17-0[17]

Auswirkung auf Arbeitsmarkt und Sozialsysteme

Unerlaubte Arbeit kann gesamtwirtschaftliche Folgen zeigen, vor allem in Hinblick auf Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme. Damit beeinflusst illegale BeschÀftigung personell wie funktionell die Einkommensverteilung.

‱ unlauterer Wettbewerb fĂŒhrt zu Wettbewerbsverzerrungen, da Firmen, welche ihr Personal illegal beschĂ€ftigen, wegen hinterzogener SozialversicherungsbeitrĂ€ge und deutlich niederer Löhne unerlaubte Kostenvorteile gegenĂŒber ihren Mitbewerbern haben.
‱ Die EinkommensvolatilitĂ€t verschĂ€rft sich, weil das von den Gewerkschaften erarbeitete Tarifsystem nachhaltig untergraben wird.
‱ Mangels Beitragszahlungen entgehen den TrĂ€gern der Sozialversicherungen BeitrĂ€ge fĂŒr Rentenkasse, Krankenkasse, Unfallversicherung und Pflegeversicherung. Auf der anderen Seite erwerben illegal BeschĂ€ftigte auch keine AnsprĂŒche gegenĂŒber den LeistungstrĂ€gern.
‱ Steuertechnisch bĂŒĂŸt der Staat Einnahmen aus der Lohn- und Einkommensteuer ein. Durch das ZurĂŒckgehen des allgemeinen Steueraufkommens sinkt die fĂŒr die wirtschaftliche Gesamtentwicklung wichtige öffentliche Nachfrage. Zudem tragen die BundeslĂ€nder und Gemeinden eventuelle Kosten fĂŒr die medizinische Versorgung sowie die Auslagen fĂŒr Haft und Abschiebung.
‱ Die regulĂ€re Produktion kann sich in die Schattenwirtschaft verschieben und damit regulĂ€re ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrden. Dies wiederum fĂŒhrt zum Anstieg von Arbeitslosigkeit im Zielland und belastet dessen Bilanz in Form von steigenden Sozialausgaben fĂŒr Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe. Die Zahlen der BedĂŒrftigen steigen, wĂ€hrend Einzahlungen in das soziale Sicherungssystem ausbleiben.

Eine steigende, ungemeldete AuslĂ€nderbeschĂ€ftigung bewirkt wegen der Niedriglöhne, dass es zur VerdrĂ€ngung regulĂ€rer ArbeitskrĂ€fte aus ihren ArbeitsverhĂ€ltnissen kommt (siehe Arbeitsmarkt). Bislang ungeklĂ€rt ist der Einfluss illegal BeschĂ€ftigter auf den Binnenmarkt, da diese schließlich wĂ€hrend ihres beruflich bedingten Aufenthalts im Ausland ihren Eigenbedarf im Zielland decken. Die ökonomischen Folgen durch illegale Einwanderung hĂ€ngen insbesondere von der aktuellen Arbeitslosigkeit ab.

In den Vereinigten Staaten werden SozialversicherungsbeitrÀge von Personen, deren Sozialversicherungsnummer auf keinen vorhandenen Datensatz passt, an den Earnings Suspense File (ESF) weitergeleitet. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn dem Arbeitgeber eine falsche Sozialversicherungskarte vorgelegt wurde. Auf diese Weise zahlen illegale Einwanderer BeitrÀge, ohne dadurch ein Anrecht auf Leistungen der Sozialversicherungen zu erwerben.cite-ref-18[18] Einer SchÀtzung zufolge zahlten illegale Einwanderer und ihre Arbeitgeber 2010 insgesamt 13 Milliarden US-Dollar ein.cite-ref-19[19]

Griechenland bot in den 1990er Jahren zwar einen Arbeitsmarkt, doch eher auf der informellen Stufe. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war es wegen seiner geopolitischen Lage ein beliebtes Transitland fĂŒr osteuropĂ€ische Immigranten. Die finanziellen Vorteile der unerlaubten BeschĂ€ftigung dĂ€mpften die damalige Inflation so sehr ab, dass es die Auflagen der WĂ€hrungsunion erfĂŒllen konnte.cite-ref-20[20]

Soziale Lage illegal Eingewanderter

Eingereiste ohne Aufenthaltsrecht fĂŒhren ein Leben außerhalb der sozialen Absicherung. Folglich stehen sie den ĂŒblichen Risiken wie Unfall, Arbeitslosigkeit und Krankheit, sowie Verhungern bei ArbeitsunfĂ€higkeit (im Alter)cite-ref-bittere-orangen-17-1[17] schutzlos gegenĂŒber. Auch liegen ihre Wohnbedingungen in der Regel weit unter dem in Mitteleuropa ĂŒblichen Standard. Sie genießen keinen Arbeitsschutz und erhalten keinen leistungsgerechten Lohn. „Die Arbeits-, Lebens- und AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnisse vieler Migranten ohne Aufenthaltsrecht nehmen so ZĂŒge an, die durchaus mit dem Begriff der Modernen Sklaverei umschrieben werden können.“cite-ref-21[21]

Von den beschriebenen UmstĂ€nden sind nicht alle illegalen Migranten im selben Maße betroffen. Je Ă€rmer die VerhĂ€ltnisse im Ursprungsland, desto höher ist die Bereitschaft, diese ZustĂ€nde im Zielland in Kauf zu nehmen. Eine feste RĂŒckkehroption und gesicherte BeschĂ€ftigung in Aussicht erleichtern die Akzeptanz. So verdiente in den 1990er Jahren ein polnischer, illegal beschĂ€ftigter Eingereister trotz des damit verbundenen Lohndumpings in einer Woche genug, um in der Heimat einen Monat lang eine fĂŒnfköpfige Familie zu versorgen.

Ein Teufelskreis besteht darin, dass Migranten nur mit großem finanziellen Aufwand von LĂ€ndern der Dritten Welt nach Europa gelangen können. Ein Mobiltelefon bleibt die einzige Verbindung zur Familie zuhause. Illegal AufhĂ€ltige und illegal arbeitende Taglöhner ĂŒbernachten in SĂŒdeuropa oft in provisorischen Behausungen und Elendsquartieren. Aus Scham gegenĂŒber ihrer Familie schicken sie nur Bilder, die sie selbst „reich“ in schicker Kleidung und vor Statussymbolen der westlichen Welt zeigen.cite-ref-bittere-orangen-17-2[17]

Viele illegal AufhĂ€ltige verfĂŒgen ĂŒber keine Reisedokumente, Einreisevisa fĂŒr TransitlĂ€nder oder genĂŒgend Geld fĂŒr die RĂŒckreise und können deshalb nicht in ihr Herkunftsland zurĂŒckkehren.cite-ref-bittere-orangen-17-3[17] Ohne IdentitĂ€tspapiere können sie auch nicht ins Herkunftsland zwangsweise abgeschoben werden. Sie werden unter gewissen UmstĂ€nden staatenlos und könnten dann einen Reiseausweis fĂŒr Staatenlose erhalten.

Die rechtliche Situation von Menschen ohne Aufenthaltsrecht ist von Staat zu Staat verschieden. Beispielsweise ist das Grundrecht auf medizinische Versorgung fĂŒr Migranten in einer irregulĂ€ren Situation in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich geschĂŒtzt.cite-ref-23[22.1] Ohne IdentitĂ€tspapiere sind legale Arbeit und das Anmieten einer Wohnung in vielen Staaten nicht möglich: Die Vermietung von Wohnraum an Personen ohne Aufenthaltsrecht ist in manchen, aber nicht allen, EU-Staaten eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit.cite-ref-24[22.2] Richtlinie 2009/52/EG untersagt die BeschĂ€ftigung von Drittstaatsangehörigen ohne rechtmĂ€ĂŸigen Aufenthalt (Artikel 3); ungeachtetdessen verpflichtet sie Arbeitgeber, ausstehende VergĂŒtungen, Steuern und SozialversicherungsbeitrĂ€ge fĂŒr geleistete Arbeit zu zahlen (Artikel 6).

Begriffskritik

Gegen die Bezeichnung von Menschen als „Illegalen“ wendet sich das Netzwerk Kein mensch ist illegal. Bereits 1988 soll der bekannte „NazijĂ€ger“ Elie Wiesel den Slogan erstmals auf Englisch („No Human Being Is Illegal“) auf einem Flyer der „National Campaign for the Civil and Human Rights of Salvadorans“ benutzt haben.cite-ref-25[23] Zur Sprachverwendung stellt die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung fest: „Nicht korrekt, weder politisch noch juristisch, wĂ€re es, von ‚illegalen Migranten‘ oder ‚illegalen Einwanderern‘ zu sprechen, weil nicht die Menschen an sich illegal sind, sondern der von ihnen vollzogene Akt der GrenzĂŒberschreitung. In der kritischen Migrationsforschung versucht man, die Klassifizierung legal/illegal zu umgehen, indem man auf die Beschreibung ‚irregulĂ€r‘ oder ‚undokumentiert‘cite-ref-26[24] zurĂŒckgreift. Gerade letztere hat sich im Französischen unter dem Begriff der Sans Papiers etabliert.“cite-ref-27[25]

Auch die „Stiftung Wissenschaft und Politik“ empfiehlt, das Wortfeld „illegal“ völlig zu meiden und stets durch das Wortfeld „irregulĂ€r“ zu ersetzen bzw. Anspielungen auf RegelverstĂ¶ĂŸe zu unterlassen. Der Autor der SWP-Studie stellt fest: „Die meisten internationalen Organisationen verwenden den Begriff »irregulĂ€re Migration«, da er als weniger diskriminierend und als hinreichend neutral und umfassend angesehen wird.“cite-ref-swp-28-0[26] IllegalitĂ€t werde in der Regel mit KriminalitĂ€t assoziiert. Vor allem aus der Sicht von Menschenrechts- und FlĂŒchtlingshilfeorganisationen enthalte diese Bezeichnung eine unzulĂ€ssige Stigmatisierung. Sie argumentieren, dass Migration kein krimineller Akt im engeren Sinne sei, sondern lediglich ein Rechtsverstoß gegen das Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitsrecht des betreffenden Staates. Nichtregierungsorganisationen prĂ€ferieren die Bezeichnung „undokumentierte Zuwanderer“, der auf die wesentliche Eigenschaft der betroffenen Menschen ziele, nĂ€mlich keine gĂŒltigen Ausweisdokumente oder Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigungen zu besitzen.cite-ref-swp-28-1[26]

Statistik

In den USA stellen illegale Einwanderer geschÀtzte 3,5 % der Gesamtbevölkerung und 5 % der ErwerbstÀtigen dar.cite-ref-29[27]

| Staat | minimale SchÀtzung | maximale SchÀtzung |
|---|---|---|
| Europaische Union EU-27 | 1.900.000 | 3.800.000 |
| Schweden Schweden | 8.000 | 12.000 |
| Finnland Finnland | 8.000 | 12.000 |
| Estland Estland | 5.000 | 10.000 |
| Lettland Lettland | 2.000 | 11.000 |
| Litauen Litauen | 3.000 | 17.000 |
| Polen Polen | 50.000 | 300.000 |
| Danemark DĂ€nemark | 1.000 | 5.000 |
| Deutschland Deutschland | 196.000 | 457.000 |
| Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich | 417.000 | 863.000 |
| Irland Irland | 30.000 | 62.000 |
| Niederlande Niederlande | 62.000 | 131.000 |
| Belgien Belgien | 88.000 | 132.000 |
| Frankreich Frankreich | 178.000 | 400.000 |
| Luxemburg Luxemburg | 2.000 | 4.000 |
| Portugal Portugal | 80.000 | 100.000 |
| Spanien Spanien | 280.000 | 354.000 |
| Osterreich Österreich | 18.000 | 54.000 |
| Italien Italien | 279.000 | 461.000 |
| Slowenien Slowenien | 2.000 | 10.000 |
| Ungarn Ungarn | 10.000 | 50.000 |
| Slowakei Slowakei | 15.000 | 20.000 |
| Tschechien Tschechien | 17.000 | 100.000 |
| RumÀnien RumÀnien | 7.000 | 11.000 |
| Bulgarien Bulgarien | 3.000 | 4.000 |
| Griechenland Griechenland | 172.000 | 209.000 |
| Zypern Republik Zypern | 10.000 | 15.000 |

Laut Migrationsbericht des Bundesamtes fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (BAMF) aus dem Jahr 2005 gingen SchĂ€tzungen von bis zu einer Million Illegalen in Deutschland aus. Dies entsprach bis zu zwei Prozent der ErwerbstĂ€tigen.cite-ref-31[29] Vor dem 1. Mai 2004, dem EU-Beitritt von LĂ€ndern wie Polen, der Slowakei oder Ungarn, war die Zahl deutlich höher.cite-ref-32[30] Seitdem ist die Zahl zurĂŒckgegangen, unter anderem durch den Legalisierungseffekt des Beitritts von RumĂ€nien und Bulgarien zur EuropĂ€ischen Union. Die Anzahl der auslĂ€ndischen Zuwanderer, die sich zwar regulĂ€r im Land aufhalten, aber irregulĂ€r arbeiten, ist meist bedeutend höher als die Anzahl der Zuwanderer ohne regulĂ€ren Aufenthaltsstatus. Indikatoren fĂŒr Deutschland deuten darauf hin, dass viermal mehr Zuwanderer Arbeitsverbote als Aufenthaltsverbote missachten. Dazu zĂ€hlen unter anderem EU-BĂŒrger aus den neuen Mitgliedstaaten sowie Asylbewerber.cite-ref-33[31]

Im Jahr 2005 lebten schĂ€tzungsweise zwischen 2,8 und 6 Millionen Menschen ohne gĂŒltige Aufenthaltspapiere in der EuropĂ€ischen Union. Das entsprach 0,6 bis 1,3 Prozent der regulĂ€ren Gesamtbevölkerung. Dieser EU-SchĂ€tzung liegen LĂ€nderwerte fĂŒr die damals 25 Mitgliedstaaten zugrunde, die in einer Datenbank gesammelt wurden.cite-ref-34[32] Die Analyse der Trends zeigt seitdem in den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern eine eher sinkende Anzahl an Menschen ohne regulĂ€ren Aufenthaltsstatus.

Siehe auch

:

RĂŒckfĂŒhrungsabkommen

Deutschland

Rechtslage

Ob sich aus einer Unerlaubten Migration ein illegaler Status ergibt, wird nach dem Aufenthaltsgesetz entschieden. FÀllt der Fall unter den § 95 des Gesetzes, kann der Fall als Straftat gewertet werden, wenn er zur Anzeige gebracht wird. Zur Anwendung kommen können auch die TatbestÀnde Schwarzarbeit (§ 266a StGB) und Steuerhinterziehung (§ 134 BGB und § 70 Abs. 1 StGB), wenn ein Arbeitnehmer illegal beschÀftigt wird.

Hilfeleistende (z. B. Lehrer, Ärzte und Juristen) machen sich strafbar, wenn sie falsche uneidliche Aussagen machen, um Personen ohne gĂŒltigen Aufenthaltsstatus zu begĂŒnstigen (§ 95 AufenthG). Die Verschwiegenheitspflicht einiger Berufsgruppen impliziert kein Zeugnisverweigerungsrecht im Strafverfahren.

In Deutschland ist nicht einheitlich geregelt, wie Lehrer mit der Situation umzugehen haben (siehe auch den Artikel 'Schulpflicht'). Illegal eingewanderte Familien halten ihre Kinder aus Vorsicht oft vom Besuch einer Schule fern.

Politik

In Deutschland hat sich die gesellschaftspolitische Debatte im Zuge der FlĂŒchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 polarisiert, zwischen einer Position einer stĂ€rkeren Abschottung einerseits und eine Position einer stĂ€rkeren Weltoffenheit andererseits.cite-ref-35[33]

Im Gegensatz zu den USA und einigen europĂ€ischen Staaten wie Spanien, Italien und Belgien ist es bisher (Stand: 2021) in Deutschland zu keinen politisch motivierten Legalisierungen unerlaubt Eingereister gekommen.cite-ref-36[34] Die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die EU legalisierte deren BĂŒrger indirekt, wobei jedoch einige Staaten – beispielsweise Frankreich – darauf pochten, dass UnionsbĂŒrgern Recht auf uneingeschrĂ€nkten Aufenthalt von bis zu drei Monaten gemĂ€ĂŸ der EU-FreizĂŒgigkeitsrichtlinie nur dann zusteht, wenn sie krankenversichert sind und ĂŒber ausreichende finanzielle Mittel verfĂŒgen.cite-ref-37[35] Die Thematisierung der illegalen Zuwanderung erfolgt nicht zuletzt unter den Aspekten der inneren Sicherheit und den Folgen von Schwarzarbeit.

UnterstĂŒtzernetzwerke in Deutschland

Siehe auch

:

Jesuiten-FlĂŒchtlingsdienst

Das vom „Katholischen Forum Leben in der IllegalitĂ€t“ initiierte und auf der dortigen Homepage eingestellte „Manifest illegale Zuwanderung – fĂŒr eine differenzierte und lösungsorientierte Diskussion“cite-ref-38[36] wurde bis zum Stichtag 1. August 2005 von 400 Persönlichkeiten unterzeichnet. Darin wird gefordert, als Einstieg sich zunĂ€chst einmal um die faktische GewĂ€hrleistung von sozialen Rechten zu kĂŒmmern, die auch Illegalen nach deutschem Recht zustehen, und humanitĂ€r motivierte Hilfe nicht als Beihilfe zu unerlaubtem Aufenthalt darzustellen. Dieser Einstieg empfiehlt sich zudem, weil rechtlich kein Widerspruch besteht zwischen der GewĂ€hrleistung sozialer Mindeststandards und dem Recht des Staates auf Regelung von Zuwanderung und Aufenthalt. Es klĂ€rt aber die Möglichkeiten und Verpflichtungen von Berufsgruppen wie Ärzten, Lehrern und Sozialarbeitern einerseits, und den amtlichen Staatsorganen andererseits.

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Nationalsozialismus und des deutschen Kolonialismus erfahren auch in Deutschland Migranten UnterstĂŒtzung in ihrem Kampf fĂŒr die Anerkennung von Asyl, von Rechten generell und einen gesicherten Aufenthalt. In dieser Tradition der SolidaritĂ€t spielt beispielsweise die Philosophin Hannah Arendt eine wichtige Rolle, die in ihren Werken Wir FlĂŒchtlinge und Elemente und UrsprĂŒnge totaler Herrschaft besonders fĂŒr FlĂŒchtlinge und Staatenlose das Recht einforderte, Rechte zu haben.

Besonders gesellschaftskritische Gruppen zeigen Zivilcourage gegen die vielfĂ€ltigen Formen der Diskriminierung und des Rassismus, denen die Einwanderer und Einwanderinnen ausgesetzt sind, und streiten zusammen mit den Betroffenen unter dem Motto kein mensch ist illegal fĂŒr die Rechte auf ein gesichertes Leben. Eine zentrale Aufgabe ist die praktische UnterstĂŒtzung der in Not geratenen Migranten. Dazu zĂ€hlt nicht selten die Notwendigkeit, Migranten vor Gewalt zu schĂŒtzen. Auch geht es um die Verbesserung der LebensverhĂ€ltnisse, die unter den Bedingungen der IllegalitĂ€t sehr krisenhaft und existentiell gefĂ€hrlich sind. Zu den wichtigen Bedingungen, in dieser Gesellschaft zu ĂŒberleben, gehört die UnterstĂŒtzung bei dem Erlernen der deutschen Sprache. Die Verbesserung des Angebotes von Deutschkursen und der Rechtshilfe wird unterstĂŒtzt und gefordert. Eine wichtige Rolle kommt hier den kirchlichen Beratungsstellen, KrankenhĂ€usern und Schulen zu. In mehreren deutschen StĂ€dten gibt es inzwischen medizinische Anlaufstellen (z. B. BĂŒros fĂŒr medizinische FlĂŒchtlingshilfe) fĂŒr Menschen ohne Krankenversicherung, die insbesondere illegale Migranten bei Krankheit, UnfĂ€llen, Schwangerschaft etc. unterstĂŒtzen, indem sie kostenlose oder gĂŒnstige Behandlung vermitteln.

Schweiz

Die Zahl der Menschen, die ohne gĂŒltige Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz leben – manchmal auch als Sans Papiers bezeichnet –, ist unbekannt. SchĂ€tzungen variieren zwischen 90'000 und 250'000 Personen. Viele gehen einer BeschĂ€ftigung fĂŒr «niedrig Qualifizierte» nach, arbeiten in Branchen, deren Personalbedarf durch Schweizer oder EU-Staatsangehörige nicht vollstĂ€ndig abgedeckt wird. Sie putzen in privaten Haushalten, betreuen Kinder und Betagte, arbeiten auf Baustellen oder in der Landwirtschaft.

In der schweizerischen Migrationspolitik herrscht die Meinung vor, dass Personen, die sich unrechtmĂ€ssig in der Schweiz aufhalten, nicht mit der Legalisierung ihres Aufenthaltes «belohnt» werden dĂŒrfen, wenn sie sich nur lange genug unrechtmĂ€ssig im Land aufgehalten haben. Deshalb besteht fĂŒr Sans Papiers in der Schweiz kaum die Möglichkeit einer Legalisierung ihres Aufenthaltes, selbst wenn sie in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Menschen zu Sans Papiers werden, die hĂ€ufigsten GrĂŒnde sind:

‱ Die meisten Sans Papiers kommen aus sogenannten Drittstaaten (kein EWR-Land) in die Schweiz und haben keine Möglichkeit, sich regulĂ€r im Land aufzuhalten. Die Zulassungspraxis fĂŒr «niedrig Qualifizierte» aus DrittlĂ€nder ist sehr streng. Trotzdem wandern viele Menschen, mehrheitlich Frauen, aus aussereuropĂ€ischen LĂ€ndern ein.
‱ Eine Aufenthaltsbewilligung ist gewöhnlich an einen Grund gebunden z. B. ein Studium, eine Arbeitsstelle oder an den Verbleib beim Ehepartner. FĂ€llt der Aufenthaltsgrund weg, zum Beispiel bei Beendigung des Studiums oder bei einer Trennung nach weniger als drei Jahren Ehe, wird die Bewilligung entzogen oder lĂ€uft die Bewilligung ab und wird nicht mehr erneuert.
‱ Eine weitere Gruppe sind Personen aus dem Asylbereich, die nach einem negativen Entscheid untertauchen.cite-ref-39[37]cite-ref-40[38]

Vereinigte Staaten

→

Hauptartikel

:

Einwanderung in die Vereinigten Staaten#Illegale Einwanderung

Literatur

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‱ Jörg Alt: Globalisierung-illegale Migration-ArmutsbekĂ€mpfung: Analyse eines komplexen PhĂ€nomens. Loeper Literaturverlag, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-86059-524-4.
‱ Jörg Alt: Leben in der Schattenwelt – Problemkomplex illegale Migration. Neue Erkenntnisse zur Lebenssituation 'illegaler' Migranten in MĂŒnchen und anderen StĂ€dten Deutschlands. Loeper Literaturverlag, Karlsruhe 2003, ISBN 3-86059-499-0.
‱ Jörg Alt, Michael Bommes (Hrsg.): IllegalitĂ€t: Grenzen und Möglichkeiten der Migrationspolitik. Verlag fĂŒr Sozialwissenschaft, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14834-6.
‱ Andreas Beisbart: Ohne Papiere in Deutschland. Magazin Verlag, Kiel 2003. ISBN 3-925900-99-3.
‱ MadjiguĂšne CissĂ©: Papiere fĂŒr alle. Die Bewegung der Sans Papiers in Frankreich. ISBN 3-935936-14-1.
‱ Nicholas P. De Genova: Migrant “Illegality” and Deportability in Everyday Life. In: Annual Review of Anthropology 2002, S. 419–447.
‱ Andreas Fisch: IrregulĂ€re Migranten zwischen Grenzsicherung und Legalisierung. Ethische AnsprĂŒche an das Zugangsregime der EuropĂ€ischen Union. In: Ethica 2/2009, S. 151–183.
‱ Andreas Fisch: Rechte von Menschen ohne Papiere und die Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung. In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Dossier: FlĂŒchtlingsschutz und Menschenrechte. 2008 (online).
‱ Andreas Fisch: Menschen in aufenthaltsrechtlicher IllegalitĂ€t. LösungsvorschlĂ€ge und FolgenabwĂ€gungen aus sozialethischer Perspektive. Mit einem Vorwort von Georg Kardinal Sterzinsky. Lit, Berlin 2007.
‱ Andreas Fisch: Die WĂŒrde der Statuslosen. Warum die Kirchen sich fĂŒr illegal in Deutschland lebende Personen einsetzen. In: Rheinischer Merkur, 5. Februar 2009, S. 25 (online).
‱ Gerda Heck: â€șIllegale Einwanderungâ€č. Eine umkĂ€mpfte Konstruktion in Deutschland und den USA. MĂŒnster 2008, ISBN 978-3-89771-746-6 (Edition DISS, Bd. 17).cite-ref-41[39]
‱ Felix Hoffmann: Zur kommerziellen Normalisierung illegaler Migration – Akteure in der Agrarindustrie von Almería, Spanien. Transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3925-4
‱ Bill Jordan, Franck Duvell: Irregular Migration. The Dilemmas of Transnational Mobility. Surrey 2003.
‱ Serhat Karakayali: Gespenster der Migration. Zur Genealogie illegaler Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland. Transcript, Bielefeld 2008, ISBN 3-89942-895-1.
‱ Dominik Kohlhagen: „Illegale“ Migration und Rechtskultur. Beobachtungen aus einer Feldforschung unter Afrikanern in Deutschland. In: Zeitschrift fĂŒr Rechtssoziologie 27, 2006, Nr. 2, S. 239.
‱ David Kyle, Rey Koslowski: Global Human Smuggling. Baltimore 2001.
‱ Mae M. Ngai: Impossible Subjects. Illegal Aliens and the Making of Modern America. Princeton/Oxford 2004.
‱ Pierre-Alain Niklaus: Nicht gerufen und doch gefragt. Sans-Papiers in Schweizer Haushalten. Lenos Verlag, Basel 2013. ISBN 978-3-85787-432-1.
‱ Marlou Schrover, Joanne van der Leun, Leo Lucassen, Chris Quispel (Hrsg.): Illegal Migration and Gender in a Global and Historical Perspective. Amsterdam 2008.
‱ Helen Schwenken, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Leben in der IllegalitĂ€t. Ein Dossier. Berlin 2008, ISBN 978-3-927760-80-6; Reihe Demokratie, Band 5; migration-boell.de (PDF; 953 kB).
‱ Thomas Straubhaar: Illegale Migration. Eine ökonomische Perspektive. OsnabrĂŒck 2007; Politische Essays zu Migration und Integration; rat-fuer-migration.de (PDF; 258 kB).
‱ Mareike Tolsdorf: Verborgen. Gesundheitssituation und -versorgung versteckt lebender MigrantInnen in Deutschland und in der Schweiz. Hans Huber Verlag, Bern 2008, ISBN 978-3-456-84554-8.
‱ JĂŒrgen Kepura, Frank Niechziol, Markus Pfau: SchleusungskriminalitĂ€t – Grundlagen zur PhĂ€nomenologie, Ätiologie und polizeilichen Intervention. Verlag fĂŒr Polizeiwissenschaft. Frankfurt 2015. ISBN 978-3-86676-386-9

Weblinks

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‱ Dossier Leben in der Schattenwelt. Frankfurter Rundschau.
‱ Christoph Lehermayr: Europas neue Sklaven. news.at
‱ Leben in der IllegalitĂ€t. Katholisches Forum
‱ Wirtschaftliche Vorteile der Legalisierung illegaler Einwanderer. Telepolis
‱ Rechtswidrige Einwanderung – Sanktionen fĂŒr Arbeitgeber. Zusammenfassung der Gesetzgebung. In: EUR-Lex. Amt fĂŒr Veröffentlichungen der EuropĂ€ischen Union, abgerufen am 15. Oktober 2021.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Alle Angaben, auch die folgenden, sind entnommen Fortress Europe, aufgerufen am 30. September 2010.
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cite-note-33. ↑ Dossier: Freiwillige RĂŒckkehr im europĂ€ischen Kontext. BAMF, abgerufen am 12. Januar 2019.
cite-note-44. ↑ Margret JĂ€ger / Gabriele Cleve / Ina Ruth / Siegfried JĂ€ger: Von deutschen EinzeltĂ€tern und auslĂ€ndischen Banden. Medien und Straftaten. unrast-verlag.de (Memento des Originals vom 30. September 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.unrast-verlag.de, Archivlink (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)
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cite-note-88. ↑ Bundesinnenminister Seehofer: Kampf gegen SchleuserkriminalitĂ€t im Mittelmeer stĂ€rken. Abgerufen am 17. Juli 2020.
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cite-note-1414. ↑ Felix Hoffmann: Zur kommerziellen Normalisierung illegaler Migration – Akteure in der Agrarindustrie von Almería, Spanien. Transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3925-4
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cite-note-1616. ↑ Christoph Lehermayr: Europas neue Sklaven. news.at
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cite-note-3331. ↑ Country Report Germany.@1@2Vorlage:Toter Link/www.irregular-migration.hwwi.net (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2025. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF)
cite-note-3432. ↑ Database on irregular migration (Memento des Originals vom 3. August 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/irregular-migration.hwwi.net
cite-note-3533. ↑ Edgar Grande: Der Wandel politischer Konfliktlinien – Strategische Herausforderungen und Handlungsoptionen fĂŒr die Volksparteien. In: Winfried Mack u. a. (Hrsg.): Zwischen Offenheit und Abschottung. Wie die Politik zurĂŒck in die Mitte findet. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-38180-5. Kapitel 4.3 Meinungen integrieren: Eine neue Debattenkultur fĂŒr Deutschland (online).
cite-note-3634. ↑ Rainer Link: Papierlose in DeutschlandLeben in der Schattenwelt. In: deutschlandfunk.de. 22. September 2019, abgerufen am 20. Dezember 2021: „In den USA – unter Barack Obama – war es gĂ€ngige Praxis, die ĂŒberwiegend aus SĂŒdamerika stammenden illegal eingereisten Hausangestellten und Erntearbeiter durch Amnestien in die LegalitĂ€t zu holen. Dabei handelt es sich etwa um Stichtagsregelungen, die an die LĂ€nge des Aufenthalts oder vorhandenen BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen gebunden sind. Auch Spanien, Italien und Belgien kannten solche Regelungen. Die Bundesrepublik nicht.“
cite-note-3735. ↑ Sabine Riefel: Illegale Migration im Mittelmeerraum. Antworten der sĂŒdlichen EU-Mitgliedstaaten auf nationale und europapolitische Herausforderungen. In: SWP-Studie. SWP Berlin, April 2013, abgerufen am 20. Dezember 2021. S. 17.
cite-note-3836. ↑ „Manifest illegale Zuwanderung – fĂŒr eine differenzierte und lösungsorientierte Diskussion“
cite-note-3937. ↑ Anlaufstelle fĂŒr Sans-Papiers in Basel Leben ohne Gesicht in Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 26. MĂ€rz 2016
cite-note-4038. ↑ Eidgenössische Kommission fĂŒr Migrationsfragen EKM: Leben als Sans-Papiers in der Schweiz. (PDF; 1,5 MB)
cite-note-4139. ↑ Vgl. Interview. In: heise.de, 10. November 2008.